Heizlast 24

Heizlastberechnung Altbau: Was Sie wissen müssen

Im Altbau ist nichts so klar wie im Datenblatt eines Neubaus. Pläne fehlen, Wände sind über die Jahre umgebaut worden, einer hat das Dach gedämmt, jemand anders die Fenster getauscht. Trotzdem wollen Sie wissen, wie viel Heizleistung Ihr Haus wirklich braucht. Auf dieser Seite zeigen wir, wie eine seriöse Berechnung im Bestand abläuft und mit welchen Werten Sie rechnen können.

Warum ist der Altbau ein Sonderfall?

Beim Neubau liegen alle Pläne vor, U-Werte stehen in den Bauunterlagen, die Gebäudegeometrie ist sauber dokumentiert. Im Altbau sieht es anders aus. Grundrisse fehlen oder zeigen einen Zustand, der seit drei Umbauten nicht mehr stimmt. Die Bauteilaufbauten kennt niemand mehr. Sanierungen wurden gemacht, aber nicht protokolliert.

Folge: Die Berechnung im Bestand kostet mehr Zeit, mehr Geld und bleibt mit Unsicherheiten behaftet. Genau dort ist sie aber am wichtigsten. Die Heizlasten sind hoch, die Fehlersumme bei Über- oder Unterdimensionierung ebenfalls. Wer hier 20 Prozent zu groß plant, zahlt das zwanzig Heizperioden lang ab.

Unbekannte Bausubstanz

U-Werte von Wänden, Dach und Boden sind oft nicht dokumentiert und müssen gemessen oder geschätzt werden.

Mehrfach saniert

Verschiedene Sanierungsmaßnahmen über Jahrzehnte machen eine einheitliche Einordnung schwierig. Teils gibt es Mischzustände.

Keine Baupläne

Vor allem bei Bauten vor 1970 fehlen vollständige Grundrisse und Schnitte. Aufmaß vor Ort ist zeitaufwändig.

Typische Heizlastwerte im Altbau

Eine Hausnummer reicht oft schon, um die Größenordnung einzuschätzen. Die folgende Tabelle zeigt typische spezifische Heizlastwerte in Watt pro Quadratmeter, gestaffelt nach Baujahr und Sanierungsstand. Grundlage: freistehendes Einfamilienhaus, mittlere Klimazone, Normauslegungstemperatur von minus 12 bis minus 14 Grad. Für eine Postleitzahl im Schwarzwald oder am Voralpenrand schlagen Sie nochmal 5 bis 10 Prozent drauf.

Gebäude und ZustandW/m²Beispiel 150 m²
EFH vor 1960, vollständig unsaniert140 bis 17021 bis 25 kW
EFH 1960 bis 1979, vollständig unsaniert120 bis 15018 bis 22 kW
EFH 1960 bis 1979, nur neue Fenster110 bis 13516 bis 20 kW
EFH 1960 bis 1979, Fenster + Dach gedämmt90 bis 11513 bis 17 kW
EFH 1960 bis 1979, Fenster + Dach + Fassade55 bis 808 bis 12 kW
EFH 1980 bis 1994, teilsaniert75 bis 10011 bis 15 kW
EFH 1980 bis 1994, vollsaniert auf KfW 8545 bis 657 bis 10 kW

Richtwerte für freistehendes Einfamilienhaus, mittlere Klimazone. Reihenhäuser und Doppelhaushälften liegen 10 bis 20 Prozent darunter. Wohnungen im MFH nochmals 15 bis 25 Prozent darunter. Für die Multiplikation mit dem W/m²-Wert sollten Sie die Wohnfläche nach DIN 277 berechnen, da Dachschrägen und Anbauten das Ergebnis im Altbau spürbar verändern.

Heizlast Ihres Altbaus einschätzen

Unser Rechner berücksichtigt Baujahr, Sanierungsstand und Gebäudetyp für eine erste Orientierung.

Wie berechnet man die Heizlast im Altbau ohne Baupläne?

Für eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 braucht man Grundrisse, Schnitte und Bauteilbeschreibungen. Im Bestand sind die selten vollständig vorhanden. Vier Wege, mit der Lücke umzugehen.

Aufmaß vor Ort

Aufwand: HochGenauigkeit: Gut

Der Energieberater misst alle Räume und Außenbauteile selbst aus. Das ist zeitaufwändig, liefert aber verlässliche Flächenmaße. Für die U-Werte sind trotzdem Annahmen nötig, wenn keine Bauteilöffnungen gemacht werden.

Typologische U-Werte nach Baujahr

Aufwand: NiedrigGenauigkeit: Eingeschränkt

Aus bekannten Baujahr und Bauweise werden typische U-Werte aus Tabellen entnommen. Die DIN EN 12831 erlaubt das für vereinfachte Berechnungen. Genauigkeit: plus minus 15 bis 25 Prozent.

Bauteilöffnung und Schichtmessung

Aufwand: Sehr hochGenauigkeit: Sehr gut

An einer Stelle wird die Wand oder das Dach geöffnet, um den genauen Aufbau und die Dämmstärken zu messen. Aufwändig, aber für kritische Bauteile sehr präzise.

Thermografie und Blower-Door

Aufwand: MittelGenauigkeit: Gut (für Lüftung)

Eine Thermografie zeigt Wärmebrücken und undichte Stellen. Eine Blower-Door-Messung liefert den tatsächlichen Luftwechselkoeffizienten n50. Beide Messungen verbessern die Berechnungsgrundlage erheblich.

Tipp: Unterlagen beschaffen

Baupläne können häufig beim zuständigen Bauordnungsamt der Gemeinde angefordert werden. Für Gebäude vor 1970 ist das nicht immer erfolgreich, aber einen Versuch ist es wert. Auch frühere Eigentümer, das Notariat oder der ursprüngliche Architekt können noch Unterlagen haben.

Wie stark senken Sanierungsmaßnahmen die Heizlast?

Jede Maßnahme verschiebt die Heizlast nach unten. Wer in den nächsten Jahren sowieso saniert, sollte die Reihenfolge mitdenken: erst Dachboden und Fenster, dann die Heizung dimensionieren. Das ist banal und wird in der Praxis trotzdem ständig falsch gemacht. Hier die wichtigsten Hebel mit groben Effekten und Kostenrahmen für ein Einfamilienhaus.

MaßnahmeHeizlastreduktionTypische Kosten EFHKosten-Nutzen
Dachbodendämmung (100 bis 200 mm, begehbar)8 bis 15 %2.000 bis 6.000 €Sehr gut
Zwischensparrendämmung Dach10 bis 18 %8.000 bis 18.000 €Gut
Kellerdeckendämmung (Unterseitendämmung)5 bis 10 %1.500 bis 4.000 €Sehr gut
Dreifachverglaste Fenster (statt Einfachglas)12 bis 20 %8.000 bis 20.000 €Gut
Außenwanddämmung WDVS (12 cm)20 bis 35 %15.000 bis 35.000 €Gut bei Neufassade
Innendämmung Außenwände (8 cm)15 bis 25 %12.000 bis 25.000 €Mittel
Kontrollierte Lüftung mit WRG10 bis 20 % (Lüftungsanteil)8.000 bis 18.000 €Gut in dichten Gebäuden

Strategisch vorgehen: erst sanieren, dann Heizung tauschen

Wer zuerst die Dachbodendämmung und neue Fenster einbaut und danach die Heizlast neu berechnet, kann oft eine deutlich kleinere und günstigere Wärmepumpe wählen. Die Einsparung bei der Wärmepumpe übersteigt häufig die Kosten für die Dämmung, die zudem noch gefördert wird. Nach Abschluss der Maßnahmen sollten Sie außerdem einen Energieausweis für den Altbau aktualisieren, bei späterer Vermietung oder Verkauf ist er nach GEG ohnehin Pflicht. Parallel ändern sich nach jeder Hülldämmung die U-Werte, die in einem aktualisierten Wärmeschutznachweis nach GEG dokumentiert werden, der die Grundlage für jede neue Heizlastberechnung bildet.

Wird das Gebäude im Zuge der Sanierung deutlich dichter, etwa durch neue Fenster und eine durchgehende Außenwanddämmung, ist eine kontrollierte Lüftung oft Pflicht. Lassen Sie sich vorab ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 erstellen, damit Lüftungswärmeverluste und Schimmelvermeidung in der Heizlast sauber abgebildet sind.

Wer den sanierten Altbau später verkaufen oder beleihen möchte, sollte parallel eine Bewertung saniertem Altbau in Köln einholen. Damit lässt sich abschätzen, wie stark die durchgeführten Maßnahmen den Marktwert tatsächlich gehoben haben.

Wer die Maßnahmen nicht nach Bauchgefühl, sondern nach belastbaren Verbrauchsdaten priorisieren möchte, nutzt ein Energieaudit als Sanierungsgrundlage. Es identifiziert die größten Verlustquellen im Bestand und liefert die Zahlen, mit denen die spätere Heizlastberechnung und Anlagenauslegung sauber zusammenpassen.

Wärmepumpe im Altbau: Was wirklich wichtig ist

Die Wärmepumpe ist im Bestand das anspruchsvollste Heizsystem. Sie verzeiht keine Überdimensionierung und reagiert sofort, wenn die Vorlauftemperatur zu hoch liegt. Im Altbau heißt das: vier Punkte sauber abarbeiten, sonst läuft die Anlage am Ende mit einer JAZ unter drei und das war es dann mit der Wirtschaftlichkeit.

Heizlastberechnung vor allem anderen

Ohne normgerechte Heizlastberechnung ist keine seriöse Wärmepumpenplanung möglich. Grobe Faustregeln führen im Altbau besonders häufig zu stark überdimensionierten Anlagen.

Vorlauftemperatur prüfen

Vor dem Einbau muss geprüft werden, welche Vorlauftemperatur die vorhandenen Heizkörper bei niedrigen Außentemperaturen wirklich brauchen. Oft reichen 50 bis 55 Grad, auch wenn früher mit 70 Grad gefahren wurde.

Hydraulischen Abgleich einplanen

Der hydraulische Abgleich ist beim Wärmepumpeneinbau gesetzlich vorgeschrieben. Er basiert auf der raumweisen Heizlast und sorgt dafür, dass jeder Raum genau die benötigte Wärme bekommt.

Pufferspeicher für Altbau

Im Altbau mit alten Heizkörpern und einfachen Ein/Aus geregelten Wärmepumpen ist ein hydraulischer Pufferspeicher von 100 bis 200 Litern oft sinnvoll, um Taktvorgänge zu reduzieren und Laufzeiten zu verlängern.

Alte Heizkörper und Vorlauftemperatur: Was ist noch nutzbar?

Die häufigste Frage in der Beratung: Müssen alle Heizkörper raus, wenn eine Wärmepumpe rein soll? Die ehrliche Antwort ist meistens: nein.

In den 1970er und 1980er Jahren galten andere Auslegungsregeln. Sicherheitszuschläge von 30 oder 40 Prozent waren Standard. Wer dann zwischenzeitlich noch Fenster getauscht oder das Dach gedämmt hat, sitzt heute auf Heizkörpern, die für den neuen Wärmebedarf weit überdimensioniert sind. Die Tabelle unten zeigt, was das in Zahlen bedeutet.

VorlauftemperaturHeizkörperleistungJAZ der WärmepumpeBewertung
70 °C (alter Betrieb)100 % (Norm)1,8 bis 2,2Ungeeignet für WP
55 °C (Absenkung)ca. 72 %2,5 bis 3,0Grenzwertig
50 °Cca. 63 %2,8 bis 3,4Akzeptabel
45 °Cca. 55 %3,2 bis 3,8Gut
35 °C (Fußboden)ca. 35 %4,0 bis 5,0Optimal

Ein Heizkörper, der bei 70 Grad Vorlauf 1.000 Watt abgibt, gibt bei 55 Grad noch rund 720 Watt ab. Wenn die Raumheizlast durch Sanierung auf 600 Watt gesunken ist, reicht der vorhandene Heizkörper bei 55 Grad also immer noch aus. Welcher Raum kritisch ist und welcher nicht, zeigt eine raumweise Heizlastberechnung nach Verfahren B. Sie ist im Altbau die wichtigste Entscheidungsgrundlage zwischen Heizkörpertausch und Bestand erhalten.

Wie geht man im Altbau Schritt für Schritt vor?

1

Sanierungsstand dokumentieren

Sammeln Sie alle Informationen zu bisherigen Maßnahmen: Wann wurden Fenster getauscht, wann das Dach gedämmt, gibt es eine Fassadendämmung? Rechnungen und Fotos helfen dem Energieberater.

2

Baupläne beschaffen oder Aufmaß beauftragen

Versuchen Sie, Grundrisse und Schnitte beim Bauordnungsamt zu bekommen. Falls das scheitert, lassen Sie den Energieberater ein Aufmaß machen. Das erhöht die Genauigkeit der Berechnung.

3

Heizlastberechnung beauftragen

Ein zugelassener Energieberater erstellt die normgerechte Berechnung nach DIN EN 12831. Im Altbau dauert das durch die Datenaufnahme länger als beim Neubau.

4

Sanierungsoptionen prüfen

Wenn die Heizlast sehr hoch ist, prüfen Sie gemeinsam mit dem Energieberater, welche Sanierungsmaßnahmen vor dem Heizungstausch sinnvoll sind. Ein Sanierungsfahrplan hilft bei der Priorisierung.

5

Heizung passend dimensionieren

Erst nach der Heizlastberechnung wird die Heizungsleistung festgelegt. Kein seriöser Heizungsbauer sollte vorher eine feste Gerätegröße nennen.

6

Hydraulischen Abgleich durchführen

Nach dem Heizungseinbau ist der hydraulische Abgleich auf Basis der raumweisen Heizlastwerte Pflicht. Er stellt sicher, dass jeder Raum die richtige Wärmemenge bekommt.

Fünf Fehler, die im Bestand teuer werden

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Heizung vor der Berechnung bestellen

Wer einen Kaufvertrag für eine bestimmte Wärmepumpenleistung unterschreibt, bevor die Heizlast bekannt ist, riskiert eine Anlage, die nicht zum Gebäude passt.

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Sanierungseffekte ignorieren

Wer für ein Gebäude mit neuen Fenstern und Dachdämmung noch die Heizlast des ursprünglichen Bauzustands ansetzt, überdimensioniert die Heizung systematisch.

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Alle Heizkörper pauschal ersetzen

Ohne raumweise Heizlastberechnung werden oft unnötig Heizkörper getauscht. Das kostet Geld und Zeit, ist aber in vielen Räumen gar nicht nötig.

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Vorlauftemperatur nicht prüfen

Wer annimmt, dass alte Heizkörper zwingend 70 Grad brauchen, schließt die Wärmepumpe als Option aus oder kauft eine unwirtschaftliche Anlage.

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Kellerräume einrechnen

Ungeheizte Kellerräume haben keine Heizlast und dürfen nicht zur Wohnfläche gerechnet werden. Das ist im Altbau besonders häufig ein Fehler.

Häufige Fragen: Heizlast im Altbau

Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Heizlastberechnung.

Ein freistehendes Einfamilienhaus aus den 1960er oder 1970er Jahren ohne nennenswerte Sanierungsmaßnahmen hat typischerweise eine spezifische Heizlast von 120 bis 160 Watt pro Quadratmeter. Bei 150 m² Wohnfläche ergibt das eine Gesamtheizlast von 18 bis 24 kW. Nach einer umfassenden Sanierung kann dieser Wert auf 40 bis 60 W/m² sinken.